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Altöl-Recycling: Wie altes Öl zu neuem Leben findet
09. Januar 2026Der Lebenszyklus eines jeden Öls endet nicht an dem Punkt, an dem es aus dem Motor abgelassen wird. Im Gegenteil: Aus Altöl wird dank moderner Verfahren ein wertvoller Rohstoff.
Altöl-Recycling ist ein zentrales Thema für Umwelt, Wirtschaft und alle Unternehmen, die mit Maschinen, Motoren und Hydrauliksystemen arbeiten. Es geht dabei um mehr als nur um die Entsorgung von Altöl: Es geht um Verantwortung, Ressourcenschonung und die strikte Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Altöl ist kein Abfall: Definition und Gefahrenpotenzial
Bevor wir über das Altöl-Recycling sprechen, ist es wichtig zu klären, was Altöl aus rechtlicher und technischer Sicht eigentlich ist.
Was ist Altöl? Die rechtliche Definition
In Deutschland wird Altöl im Altölgesetz (AltölV) definiert als "gebrauchte Öle auf Mineralölbasis, vollsynthetische oder teilsynthetische Öle, die Schmierstoffe, Hydrauliköle, Getriebeöle und andere ähnliche Öle darstellen".
Es spielt keine Rolle, ob es sich um das Öl aus Ihrem Pkw, das Hydrauliköl aus einer Baumaschine oder das Industriegetriebeöl handelt. Sobald das Öl seine Funktion erfüllt hat und abgelassen wird, ist es Altöl und unterliegt strengen Vorschriften.
Das Gefahrenpotenzial von Altöl
Altöl ist ein hochgradig umweltgefährdender Stoff. Es ist praktisch nicht biologisch abbaubar und die falsche Entsorgung kann verheerende Folgen für die Umwelt haben. Schon kleine Mengen können schwere Schäden anrichten:
- Wassergefährdung: Ein Liter Altöl kann bis zu eine Million Liter Grundwasser verunreinigen.
- Gesundheit: Altöl enthält oft Schwermetalle, Verbrennungsrückstände und chemische Additive, die gesundheitsschädlich sind.
- Verschmutzung: Unsachgemäß gelagertes oder entsorgtes Altöl kann Böden langfristig kontaminieren.
Aus diesem Grund ist die ordnungsgemäße Entsorgung und das Altöl-Recycling nicht nur eine Frage der Ökonomie, sondern vor allem des Umweltschutzes und der Einhaltung des Gesetzes.
Die gesetzlichen Grundlagen: Altöl-Kategorien und Pflichten
Die Gesetzgebung unterscheidet Altöl nach seiner Beschaffenheit in vier Sammelkategorien. Diese Kategorien sind entscheidend für die Auswahl des richtigen Altöl-Recycling-Verfahrens und müssen bei der Sammlung strikt eingehalten werden.Die verschiedenen Altöl-Typen können nämlich nicht zusammen recycelt werden.
Sammelkategorie 1: A-Öle
In der Kategorie A-Öle befinden sich nahezu ungemischte Öle wie Motorenöle und Getriebeöle. Sie sind recyclebar.
Sammelkategorie 2: B-Öle
Zu dieser Kategorie gehören hauptsächlich Isolieröle und Wärmeübertragungsöle, wie zum Beispiel elektrische Isolieröle.
Sammelkategorie 3: C-Öle
Zu Kategorie 3 gehören Mischungen, die leichtlösliche Chlorverbindungen enthalten. Ein Beispiel sind manche Kompressorenöle.
Sammelkategorie 4: D-Öle
D-Öle sind alle sonstigen Altöle, die schädliche Verunreinigungen enthalten, zum Beispiel Hydrauliköle mit hohem Wasseranteil oder Bohrölemulsionen.
| Sammelkategorie | Beschreibung | Beispiele |
| Kategorie 1 (A-Öle) | Nahezu ungemischte Öle (recycelbar) | Motorenöle, Getriebeöle |
| Kategorie 2 (B-Öle) | Hauptsächlich Isolieröle und Wärmeübertragungsöle | Elektrische Isolieröle |
| Kategorie 3 (C-Öle) | Mischungen, die leichtlösliche Chlorverbindungen enthalten | Manche Kompressorenöle |
| Kategorie 4 (D-Öle) | Sonstige Altöle, die schädliche Verunreinigungen enthalten | Hydrauliköle mit hohem Wasseranteil, Bohrölemulsionen |
Als Altöl-Erzeuger (egal ob Werkstatt, Industriebetrieb oder Landwirt) müssen Sie dafür sorgen, dass Ihre Altöle nach diesen Kategorien getrennt gesammelt und einem zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb übergeben werden. Ein Vermischen verschiedener Kategorien, insbesondere von A-Ölen mit anderen, kann die Wiederaufbereitung unmöglich machen.
Altöl-Recycling-Verfahren im Überblick
Das Ziel von Altöl-Recycling ist es, die enthaltenen Basisöle zurückzugewinnen, um sie erneut als Schmierstoffe zu verwenden. Dieses Vorgehen wird als Raffination oder Wiederaufbereitung bezeichnet. Es ist das ökologisch sinnvollste Verfahren und hat gegenüber der thermischen Verwertung (Verbrennung) stets Vorrang.
1. Aufbereitung (Raffination)
Altöl aus der Sammelkategorie 1 (A-Öle) ist ideal für die Wiederaufbereitung geeignet. Durch dieses mehrstufige Verfahren wird das gebrauchte Öl chemisch und physikalisch von Verunreinigungen befreit, um wieder Basisölqualität zu erreichen.
- Entwässerung und Filterung: Zunächst werden Wasser und grobe Feststoffe entfernt.
- Dünnschichtverdampfung: Unter Vakuum und Hitze werden leichte Kohlenwasserstoffe und Kraftstoffreste abgetrennt.
- Extraktion (oft Propan-Extraktion): Mit Lösungsmitteln werden Harze, Asphalte und Additiv-Reste entfernt.
- Hydrierung/Finishing: Das Öl wird unter hohem Druck und Temperatur mit Wasserstoff behandelt (Hydrierung). Dieser Schritt entfernt letzte Verunreinigungen und verbessert die Farbe und Stabilität des Basisöls.
Das Ergebnis ist ein hochwertiges Re-Raffinat, das die gleiche oder oft sogar bessere Qualität aufweist als Öl, das aus rohem Erdöl gewonnen wurde. Es wird dann neu additiviert und als fertiger Schmierstoff wieder in den Handel gebracht.
2. Thermische Verwertung (Verbrennung)
Altöle der Kategorien 2, 3 und 4 sind aufgrund ihrer Verunreinigung (z.B. durch Chlor oder Schwermetalle) oft nicht wirtschaftlich oder technisch sinnvoll aufbereitbar. In diesen Fällen wird die thermische Verwertung angewandt:
- Energetische Nutzung: Das Altöl wird als Brennstoff in speziell zugelassenen Anlagen (z.B. Zementwerke oder Kraftwerke) verwendet, um Wärme oder Strom zu erzeugen.
- Voraussetzung: Die Anlagen müssen strenge Emissionsschutzauflagen erfüllen, um sicherzustellen, dass keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen.
Die Raffination hat jedoch immer Vorrang. Die thermische Verwertung ist nur die zweitbeste Lösung, wenn eine stoffliche Wiederverwertung nicht möglich ist.
Wirtschaftliche und ökologische Vorteile von Altöl-Recycling
Altöl-Recycling bietet signifikante Vorteile für die Umwelt und die Wirtschaft.
Ökologisch gesehen führt es zu einer deutlichen Reduzierung des Bedarfs an neuem Rohöl und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz durch einen geringeren CO₂-Ausstoß, da der Raffinationsprozess bis zu 85 % weniger Energie benötigt als die Herstellung von neuem Öl aus Rohöl. Gleichzeitig wird ein gefährlicher Abfall in einen wertvollen Rohstoff umgewandelt.
Ökonomisch profitieren wir von einer verringerten Abhängigkeit von globalen Rohstoffmärkten und einer Senkung der Produktionskosten für Basisöle. Darüber hinaus sichert die Schaffung eines stabilen und regionalen Rohstoffkreislaufs Arbeitsplätze in der Recycling-Industrie. Obwohl Altöl nicht unendlich oft recycelt werden kann (wegen Qualitätsverlusten im Recyclingprozess), lohnt sich die Wiederverwertung auf jeden Fall.
| Vorteil | Ökologie | Ökonomie |
| Ressourcenschonung | Deutliche Reduzierung des Bedarfs an neuem Rohöl. | Verringerte Abhängigkeit von globalen Rohstoffmärkten. |
| Energieeffizienz | Der Prozess der Raffination benötigt bis zu 85 % weniger Energie als die Herstellung von neuem Öl aus Rohöl. | Senkung der Produktionskosten für Basisöle. |
| Klimaschutz | Geringerer CO₂-Ausstoß durch den reduzierten Transport und die geringere Raffineriearbeit. | Sicherung von Arbeitsplätzen in der Recycling-Industrie. |
| Abfallvermeidung | Umwandlung eines gefährlichen Abfalls in einen wertvollen Rohstoff. | Schaffung eines stabilen und regionalen Rohstoffkreislaufs. |
Fazit
Als Ihr Full-Service-Partner für Mineralöle in der Metropolregion Rhein-Neckar hört unser Service nicht beim Verkauf von hochwertigen Schmierstoffen auf. Wir verstehen uns als Teil der Kreislaufwirtschaft und nehmen unsere Verantwortung für die Umwelt ernst.
Sprechen Sie uns an! Wir beraten Sie gerne zu den Kategorien, Mengen und den besten Abholmodalitäten für Ihren Betrieb. Kontakt
